T93 - Überlebe von Clayton Husker

Anja Druckbuchstaben | 10 September 2014 |
Zum Inhalt:
Was, wenn morgen Dein Discounter nicht mehr aufmacht?
Was, wenn Dein Nachbar Dir plötzlich nach dem Leben trachtet?
Was, wenn Deine kleine Welt sich über Nacht in eine Hölle aus Tod und Verderben verwandelt hat?

Birte ist die einzige Überlebende einer ganzen Stadt. Nach ihrer abenteuerlichen Rettung entdecken Forscher, dass sie ein besonderes Gen in sich trägt, das eine Schlüsselrolle im Kampf gegen die Fressmaschinen einnehmen könnte. Wird sie das Blatt wenden können? Nach einem Jahr der Zombie-Herrschaft entschließt sich der kärgliche Rest der Menschheit, zurückzuschlagen. Der Krieg gegen die Zombies beginnt.
Wird es der Menschheit gelingen, ihr Habitat zurückzuerobern, oder ist inzwischen alles verloren? Die letzte Entscheidungsschlacht steht bevor... 

Mein Senf zum Buch:
Ein Buch an dem zu Beginn John Constantine zitiert wird? Da kann doch eigentlich nichts schief gehen oder? =)

Clayton Husker hat einen ungewöhnlich lockeren Schreibstil, wahrscheinlich wegen der vielen umgangssprachlichen Redewendungen. Ich empfand das durchweg als sympathisch.
Was mir jedoch am Anfang ziemlich zu schaffen gemacht hat, war die bildhafte und genaue Beschreibung, wenn es um die Zombies geht. Freiliegende Gedärme und spritzende Hirnmasse kurz nach dem Frühstück, sind nicht ganz so leicht zu verdauen.

Schon beim ersten Auftritt der Protagonistin Birte, war ich ziemlich beeindruckt von ihr. Sie hat sich mit dieser neuen Situation, also den Zombies, ziemlich gut arrangiert wie es wahrscheinlich nur die wenigsten von uns hinbekommen würden. Ich mag starke weibliche Charaktere.

Als Birte zum ersten Mal dem Soldaten Alex begegnet, hab ich mich echt gewundert. Zunächst mal fand ich es total cool wie sie verbal mit ihm umgesprungen ist. ABER ist Birte nach 6 Monaten Abstinenz wirklich so ausgehungert, dass sie gleich über ihn herfällt? Es ist ja durchaus bemerkenswert, dass sie sich das nimmt, was sie braucht, aber so ganz realistisch kam mir das nicht vor. In dieser Situation wäre etwas Distanz angebracht, aber vielleicht bin ich auch einfach zu verklemmt. 
Eine Schwäche des Buches ist, dass der Autor nicht besonders viel Augenmerk auf den Aufbau von menschlichen Beziehungen legt. Bei den meisten weiblichen Autoren, die ich sonst lese, werden diese Beziehungen und zwischenmenschlichen Gefühle wesentlich komplexer dargestellt. Bei Husker geht alles Knall auf Fall. Beziehungen der Charaktere stehen in diesem Genre vielleicht nicht unbedingt im Vordergrund, aber sie gehören definitiv dazu. 
Auf diesen Aspekt näher einzugehen, würde dem Leser helfen, bestimmte Handlungen besser nachvollziehen zu können. 

Bei einigen Dialogen zwischen Birte und Alex musste ich echt laut loslachen. Da wird manchmal ziemlich deutlich, dass der Autor männlich ist =).

Man muss schon auf militärische Strukturen und Gehabe stehen, um das Buch gut zu finden. Mich kann man mit sowas ja immer begeistern. Auch den Humor in diesem Zusammenhang, habe ich genossen. Wer mit sowas seine Probleme hat, für den ist das Buch wohl eher nichts.
Die Experimente um ein mögliches Gegenmittel fand ich sehr spannend, wobei mich überrascht hat, dass diese so schnell zu Ergebnissen geführt haben.

Fazit:
Zombies in Deutschland, klingt erschreckend, gefällt mir aber gut. Wenn der Autor noch ein bisschen an der Darstellung der zwischenmenschlichen Ebene und der Entwicklung von Beziehungen arbeitet, könnten wir durchaus auf eine Wellenlänge kommen. Abschließend bleibt mir noch zu sagen:  

"Wir werden uns unsere Welt zurück holen" (S. 300)

3 von 5 Sternen


Kommentare:

  1. Hey Anja!

    Klasse Rezension!! Was die Dialoge angeht, war ich an einigen Stellen auch verwirrt. Ich hatte aber meistens das Gefühl, dass es dem Autor eher um die zombieversuchte Welt (und die Zombiekämpfe^^) ging, als um die zwischenmenschlichen Ebenen. Das einzige, was mich vielleicht auch ein bisschen am weiterlesen hindert ist der Gedanke, ob er diesen Stil die ganze Reihe über durchhalten kann. Ich fürchte, da kommen die Menschen dann doch zu kurz ... *unsicher ist*.
    Was die Zombies in Deutschland angeht, bin ich auch voll deiner Meinung, davon könnte es ruhig mehr Geschichten geben!
    Sehr gerne gelesen! :-D

    LG
    Tilly

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    1. Huhu Tilly,

      danke für deinen lieben Kommentar =). Ich werde mir auf jeden Fall den Folgeband anschauen, mal sehen, ob der mich überzeugen kann =)

      LG
      Anja

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  2. Hye! Danke, dass du dir die Mühe gemacht hast, das Buch zu besprechen. In den nächsten Bänden wird in der Tat etwas mehr gemenschelt, und Familien spielen darin eine Rolle. Das überwiegend Militärische bleibt jedoch. Aber es wird Charaktere zum Schmunzeln geben. Soll ja Unterhaltung bleiben.

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    1. Lieber Clayton,

      vielen Dank für deinen Kommentar auf meinem Blog =). Ich bin froh, dass du das sagst und werde mir deshalb gleich mal den Folgeband ordern =)

      LG
      Anja

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  3. Hey Anja!

    Finde deine Rezension auch sehr treffend und gelungen auf den Punkt gebracht, ich hatte in etwa die gleichen Kritikpunkte bzw. Schwerpunkte herausgelesen! Und wenn es hilft, mir war das spontane Übereinanderherfallen der Protagonisten auch zu sehr aus dem Hut gezaubert, das hatte nichts mit Prüderie zu tun! ^^ Zu der Szene gab es während der Planung zur Blog-Tour auch eine wirklich erheiternde und lustige Diskussion! :D

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    1. He he,

      bei der Blogtour und der Diskussion wäre ich gerne dabei gewesen. Ich kann mir das lebhaft vorstellen ^^. Hab mir grad deine Rezension durchgelesen. Wirklich sehr treffend formuliert ^^.

      LG
      Anja

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