Du bist das Gegenteil von allem von Carmen Rodrigues

Anja Druckbuchstaben | 06 April 2015 |




Zum Inhalt:
Die 16-jährige Ellie hatte etwas Besonderes an sich. Etwas Dunkles, Charismatisches, Gebrochenes … Jetzt ist sie tot. Gestorben an einer Überdosis Tabletten. Zurück bleiben ihr Bruder Jake, ihre beste Freundin Sarah und deren jüngere Schwester Jess – und vierunddreißig Zettel von Ellie in einem Schuhkarton. Vierunddreißig Hinweise, die Ellie hinterlassen hat. Vierunddreißig Geheimnisse eines viel zu kurzen Lebens voller Schmerz. Auf der Suche nach dem Warum müssen sich Jake, Sarah und Jess nicht nur ihren eigenen Abgründen stellen, sondern auch dem, was Ellie so lange vor ihnen verborgen hat. (Quelle: Randomhouse)

Mein Senf zum Buch:

"Ich glaube, dass sich etwas in einem verändert, wenn jemand stirbt, den man kennt - als würde ein übernatürliches Wesen kommen, mit seinen riesigen übernatürlichen Händen in einen hineingreifen und die gesamte DNA-Struktur neu anordnen." (S. 40)

"Du hast das Recht, dir das Leben zu nehmen. Das ist deine freie Entscheidung. Ich kann dich nicht daran hindern." (S. 343)

Gleich zu Beginn prasseln viele verschiedene Charaktere auf einen ein. Es fällt gar nicht leicht hier den Überblick zu behalten. Dazu kommt, dass die recht kurzen Kapitel jeweils aus Sicht eines anderen Beteiligten (Jess, Jake und Sarah) geschrieben sind und abwechselnd in der Vergangenheit und in der Gegenwart spielen. Manchmal wusste ich nicht mehr genau, in wessen Sicht ich mich gerade befinde und ob es nun schon vergangen ist oder gerade erst passiert. 

Ellie ist an einer Überdosis Tabletten gestorben und alles was sie hinterlässt ist eine Box mit 34 kleine Zetteln mit ihren Gedanken. Zu Beginn jeden Kapitels steht der Inhalt einer dieser Zettel. Ellie ist  ein sehr berechnendes und selbstzerstörerisches Mädchen. Das liegt wahrscheinlich an einem Ereignis in ihrer Verganenheit, wobei sich hier eine Vermutung durch das ganze Buch zieht, die niemals so richtig bestätigt wird. 

Jake ist Ellies großer Bruder. Beide stammen aus einer ziemlich verkorksten Familie. Ihre Mutter ist eine Trinkerin und sorgt dafür, dass Jake von klein auf eine ziemliche Last zu tragen hat. Jake kämpft das gesamte Buch hinweg mit gigantischen Schuldgefühlen.

Sarah ist die beste Freundin von Ellie und wenn ich an sie zurück denke, dann bleibt eigentlich nur Enttäuschung übrig. Sie war mir absolut unsympathisch und ich hab ihr ihr Leiden einfach nicht abgenommen.

Jess ist Sarahs kleine Schwester. Sie war für mich die aufrichtigste und sympathischste Person im ganzen Buch.

Passend zu den wechselnden Sichten, wechselt auch die Stimmung im Buch und zwar zwischen Taubheit, Schuldgefühlen, Trauer und unterdrückten Gefühlen. Wer hier ein Buch voll Sonnenschein erwartet, ist an der falschen Adresse. Es geht viel mehr um Problembewältigung und -unterdrückung bei Teenagern. 
Und dabei ist auch einiges wahres und frustrierendes an der Geschichte. Menschen benutzen sich gegenseitig und lassen sich von verpassten Chancen runterziehen. Unsere Traurigkeit und unsere Schuldgefühle fressen uns innerlich auf
Was ich gar nicht nachvollziehen konnte, ist, dass Eltern ihren Kindern nicht ansehen, dass sie um Hilfe schreien, auch wenn sie nichts sagen. Sowas muss man doch mitbekommen. Besonders enttäuscht bin ich hier von Sarahs und Jess Mutter. Aber vielleicht ist es ja tatsächlich so wie es im Buch beschrieben ist:

"Wenn Mom mich darauf anspricht, werde ich ihr sagen, dass es mir gut geht. Schon viel besser als vorher. Wirklich, Mom. Ich schwöre. Und sie wird mir glauben. Nicht weil das, was ich sage, so überzeugend klingt, sondern weil es manchmal einfacher für uns alle ist, wenn wir so tun, als würden wir einander glauben." (S. 239)

"Wahrscheinlich spielt es letzten Endes keine Rolle, ob man einen guten Vater hat oder einen schlechten, weil wir alle im Leben Zeiten durchmachen, in denen wir die Orientierung verlieren - da nützen dann selbst die besten Eltern nichts." (S. 350)

Die Beziehungen der Protagonisten untereinander haben mich völlig verstört. Ich habe keinen Funken wahre Freundschaft entdeckt.  
Das Ende war nicht wirklich befriedigend für mich. Was ist denn mit Jessies Problemen? Das wurde überhaupt nicht mehr thematisiert. Das hat mir irgendwie was gefehlt.

Fazit:
Die Autorin zieht einen in die negative Gefühlswelt der jugendlichen Protagonisten. Es ist wie ein Sog. Man wandelt auf den Zettelspuren von Ellie und sehnt sich immer mehr nach Antworten, doch die blieben für mich leider aus. Wenn ich mir nach dem Zuklappen des Buches überlege, was mir die Autorin mit diesem Buch sagen wollte, dann weiß ich auf  Anhieb auch darauf keine Antwort. Hier hilft aber das Nachwort Abhilfe, in dem sie beschreibt, dass auch sie im Leben schwierige Phasen durchgemacht hat und dass es am Ende darauf ankommt, um Hilfe zu bitten und diese auch anzunehmen.
Eine Aussage des Buches hat mich allerdings noch länger beschäftigt: "Manche Menschen kann man einfach nicht retten". Ist das wirklich so? Das sagt sich so leicht, aber alles in mir sträubt sich dagegen. 
Eine Bewertung fällt mir nicht leicht. Ich würde sagen für einen vierten Stern, war es stellenweise ein bisschen zu dünn. Dafür bleiben zu viele Fragen offen.


 

Ein Hoch auf cbt und das tolle Bloggerportal. Vielen Dank für dieses Rezensionsexemplar =)





Kommentare:

  1. Hallöchen liebe Anja,
    ich habe ja noch mit mir gerungen, ob ich dieses Buch lesen soll oder nicht und habe mich dann im Endeffekt dagegen entschieden zumindest bisher. Ich habe das Buch bei Skoobe entdeckt und vielleicht lese ich ja doch nochmal rein. Die bisherigen Bewertungen lassen aber nicht darauf schließen, dass man das unbedingt tun sollte.. ich bin so unentschlossen... hach...

    Liebst, Lotta

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Huhu Lottalein =)

      Ich kann deine Unentschlossenheit total verstehen. Das geht mir auch manchmal so =). Trotz einiger Kritikpunkte würde ich nicht unbedingt ganz vom Buch abraten. also ich glaube, da hilft es wirklich, wenn du bei Skoobe einfach mal reinliest =)

      LG
      Anja

      Löschen
  2. Von dem Buch hab ich bislang nur eine Rezi gelesen und die war absolut positiv. Diese hier stimmt das ganze schon wieder eher durchwachsen an. Ich werde das Buch auf jeden Fall weiter beobachten, bin dir allerdings für deine Meinung da sehr dankbar!

    Liebste Grüße,
    Nazurka

    AntwortenLöschen
  3. Dieses Buch habe ich jetzt schon öfters mal gesehen und rein vom Cover her fand ich es schon die ganze Zeit interessant. Nicht jedes Cover "begnügt" sich mit einem zerknitterten Zettel. Aber wenn ich deine Meinung so dazu lese, will es mich einfach nicht ansprechen. ö.ö Es klingt nicht so ganz rund und das stört mich meistens bei Büchern, also greife ich stattdessen einfach zu einem anderen. =')

    Liebe Grüße ♪

    AntwortenLöschen