Hundertsiebenundachtzig Tage von Ludovic Lecomte

Anja Druckbuchstaben | 18 Februar 2026 |

      Erschienen am 19.02.2026 | 112 Seiten | 14,00 € | ab 14 Jahren
Ludovic Lecomte | Mixtvision
übersetzt von Nadine Püschel



Klappentext

Was ist, wenn man der Welt nicht mehr begegnen will, nicht mehr kann, aber gar nicht weiß, wie das plötzlich gekommen ist? Dem 16-jährigen Ich-Erzähler ergeht es so, und er spürt alle Augen auf sich. Seine Eltern, seine besten Freunde, seine Therapeutin – sie warten. Darauf, dass er den ersten Schritt zurück in sein altes, »normales« Leben macht. Nur eine Laune? Depressionen? Oder simuliert der Teenager, um nicht in die Schule zu müssen? Der junge Erzähler muss sich vielen Fragen stellen, aber seine eigenen sind die drängendsten. »Was da draußen macht meinem Körper solche Angst?« Stück für Stück findet er Hilfe und Antworten. (Quelle: Mixtvision)

Senf

Die Art des Schreibstils hat mich direkt in seinen Bann gezogen. Als Leser hat man einen direkten Draht zu den Gedanken und inneren Monologen des jugendlichen Protagonisten. Es gibt Stellen im Buch, da versucht man einfach nur ruhig zusammen zu atmen.

Die Emotionen werden sehr eindrucksvoll und unausweichlich beschrieben. Dieses nicht wissen, woher es plötzlich kommt, dass man nicht mehr funktioniert. Keine Erklärung dafür zu haben. Dazu das ständige Gefühl von Schuld, weil man seine Familie automatisch mit reinzieht und belastet. Wie von einer auf die andere Sekunde plötzlich der ganze Druck abfällt, wenn man weiß, man muss das Haus nicht verlassen und damit unbewusst volle Kraft voraus in die Vermeidung schlittert. Das alles hat mich sehr mitgerissen.

Der Autor macht nachvollziehbar deutlich wie soziale Kontakte auf der Strecke bleiben, wenn man über einen längeren Zeitraum nicht mehr funktioniert. Wenn man keinen gemeinsamen Alltag mehr teilt. 
Die Hilflosigkeit der Eltern war permanent greifbar: Das ständige Bemühen und Hoffen. Freudentänze und Gefühlsausbrüche über winzige Fortschritte. Anhaltende Schuldgefühle, obwohl man selbst keine Schuld trägt. Das Gefühl der Machtlosigkeit. Das hat mich sehr beeindruckt.

Für mich endete das intensive Leseerlebnis abrupt in dem Moment, als der Protagonist realisiert hat, woher seine Angst kommt. Mir ging das ein bisschen zu schnell und zu eigenständig. Ich hätte mir noch ein paar mehr Gedanken zu Analyse und Aufarbeitung gewünscht.




Fazit

Mit dem Einblick in die Gedanken und Gefühle des jugendlichen Protagonisten, der psychisch erkrankt ist, schafft Autor Ludovic Lecomte ein intensives Leseerlebnis. Das Buch ist extrem stark in der Vermittlung der Auswirkungen einer solchen Krankheit. Die Geschichte ist authentisch und mitreißend.
 

(4 von 5 Punkten)


Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an Mixtvision!

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