Echt von Christoph Scheuring

Anja Druckbuchstaben | 20 April 2015 |

http://www.magellanverlag.de/feine-b%C3%BCcher/jugendbuch/








Zum Inhalt:
Albert sammelt Abschiede. Tag für Tag fotografiert er am Bahnhof Umarmungen, Trennungen und Tränen. Denn Abschiede, das sind für ihn Momente, in denen der Mensch wahrhaftiger ist als jemals sonst. Eines Tages lernt er Kati kennen. Sie sieht aus wie ein Engel, ist gleichzeitig abgezockt und verletzlich. Und sie ist wie gebannt von seinen Bildern, vor allem von seinem Lieblingsbild, auf dem Schmerz und Glück völlig selbstvergessen miteinander verschmelzen. Doch Kati behauptet, das Foto sei eine einzige Lüge. In den Tiefen des Bahnhofs machen sich die beiden daran, die Wahrheit hinter dem Foto zu finden.(Quelle: Magellan)

Mein Senf zum Buch:

"Kein Mensch kann wirklich so richtig zusammen sein. Mit keinem. Vielleicht bist du mal einem anderen Menschen für einen Augenblick nah. Oder du passt auf ihn auf und er auf dich. Aber so wirklich zusammen geht überhaupt nicht." (S. 59)

"Wir verlernen, den anderen Menschen zu sehen. Wir verlernen auch, die Natur zu sehen. Wir verlieren die Verbindung zu unserem Leben." (S. 110)

Albert ist ein ziemlicher Nerd, was seine Fotos angeht. Wenn ich ihn mit Adjektiven beschreiben müsste, würde ich sagen:  Verschroben, sonderbar, unfreiwillig komisch, uncool, echt, naiv, leichtgläubig, nett und sympathisch.
Die meiste Zeit befindet man sich in Alberts Gedanken wieder, die interessant, aufrichtig und irgendwie unschuldig sind. Mit dem Moment, in dem Kati in sein Leben tritt, ändert sich einiges. Er begibt sich mit ihr in ganz neue Gefilde, auf eine Mission. Von da an sind der Konsum von Drogen ein zentrales Thema. Ein ziemlicher Schock für Albert, der damit so gar nichts anfangen kann. Dazu kommt, dass sich auch die Sprache verändert, sie wird oft derbe und fäkalartig.

Was mich an Albert etwas gestört hat, ist, dass er in manchen Situationen überhaupt keinen Widerstand leistet. Er lässt über sich bestimmen, lässt sich einfach mitschleppen. Aber dann verblüfft er mich doch immer wieder, denn er ist trotz allem ziemlich schlagfertig und witzig und zwar sogar dann, wenn er mit Kati zusammen ist.
Der Einzige, der Albert noch übertrifft, ist sein Vater. Seine Reaktionen sind einfach der Hammer. Man checkt sofort, woher Albert diese unfrewillige Komik her hat. Er ist sowas von gechillt. er lässt sich von Polizisten überhaupt nicht beeindrucken. Albert hat völlig recht, wenn er sagt, dass sein Vater ein ziemlich lässiger Hund ist, auch wenn es nicht immer so aussieht. 

Als Leser bekommt man einen Einblick in den Alltag der Jugendlichen am Bahnhof in Hamburg. Aber nur bruchstückhaft, in immer nur kleinen Ausschnitten, weil sich niemand in die Karten sehen lassen will. Sie nehmen Drogen und sind kriminell. Sie philisophieren im Rausch und denken, sie hätten alles unter Kontrolle. In diesem Milleu wirkt Albert total fehl am Platz. Er ist so warm und anständig und auf gewisse Weise behütet.

Fazit:
In diesem Buch erwartet euch erschreckende Realität, eine Liebesgeschichte und sogar ein Krimi. Zu etwas ganz besonderem wird die Geschichte erst durch Albert, seine Gedanken und seine Fotos. Der Titel des Buches hätte nicht besser gewählt sein können.





"Echt" ist neben weiteren tollen Büchern für den deutschen Jugendliteraturpreis 2015 nominiert und ich drücke Albert fest die Daumen =). Hier erfahrt ihr mehr über den Preis. 
Vielen Dank an den Magellan Verlag für das Rezensionsexemplar!


1 Kommentar:

  1. Wollte es mir natürlich nicht nehmen lassen auch deine Rezension zu "Echt" zu lesen. :) Finds auf jeden Fall gut, dass wir einen gemeinsamen Nenner rund um Albert haben, ich fand das schon sehr auffällig wie er sich da einfach einfügt in diese Welt und das passte halt nicht, genauso wenig wie er in diese Welt passte.
    Die Beschreibung zu Albert finde ich wirklich gelungen. :)

    Liebe Grüße
    Svenja

    AntwortenLöschen