Der Lebensschreiber von Christoph A. G. Klein

Anja Druckbuchstaben | 30 Oktober 2014 |
Zum Inhalt:
Enno ist schon immer ein Sonderling gewesen. Doch er hat eine einzigartige Begabung: Er schreibt Geschichten, die das Handeln des Lesers lenken. Diese Fähigkeit setzt er erfolgreich für seine Klienten ein – er ist Schöpfer ihrer Gedanken, ihres Schicksals. Eines Tages lernt er Lea kennen, die seinen Rat sucht. Aller Widerstände zum Trotz ist es von nun an Ennos Ziel, seine eigene Geschichte auf untrennbare Weise mit ihrer zu verknüpfen. Um sein höchstes Glück zu erreichen, zieht er alle Register – doch er geht zu weit. Und zerbricht an der Realität.

Mein Senf zum Buch:

Enno interessiert sich seit jeher für Literatur. Er macht eine Ausbildung in einer Buchhandlung, wo es zu seiner Aufgabe gehört, anderen Menschen passende Bücher zu empfehlen. Er fühlt sich selbst dazu berufen, Geschichten zu schreiben. Aber nicht irgendwelche. Er möchte, dass seine Geschichten für einen bestimmten Leser maßgeschneidert sind. Seine Geschichten sollen Realität werden.

Ennos Geschäft mit seinen maßgeschneiderten Geschichten ist sehr erfolgreich. Die Anzahl an Klienten, wie er sie nennt, wächst stetig. Ab einem gewissen Zeitpunkt steigt ihm sein Erfolg bzw. seine Macht zu Kopf. Er wirkt leicht größenwahnsinnig, als ihm bewusst wird, dass er alle Fäden in den Händen hält. Er spielt Gott.

Der Schreibstil des Autors ist wie gewohnt etwas anspruchsvoller als das, was ich sonst lese, aber wirklich gut. Schön zu sehen, was man mit Sprache alles machen kann. Ich mag die Gedanken im Buch zum Schicksal und Schmetterlingseffekt.

Der Autor setzt sich in seinen Werken mit Menschen auseinander. Mit Beziehungen, Sehnsüchten und Abgründen. Er nennt Dinge beim Namen. Ich bin immer wieder überrascht von seiner Direktheit und Ausdrucksweise.

"Der Ablauf der Liebe folgt dem einer guten Geschichte, mit einem Spannungsbogen nach immer demselben Prinzip. Und es gibt nicht nur eine Geschichte, eine Wahrheit." (S. 83)

"Vielleicht romantisiere ich, aber mit Berufung im eigentlichen Sinne haben die meisten Beschäftigungen heutzutage nichts zu tun. Es sind Jobs. Sinnentleerte Arbeiten, die den Menschen eine Aufgabe vorgaukeln, zur Förderung der modernen und subtilen Sklaverei." (S. 69)


Fazit:
Der Autor Christoph A. G. Klein ist auf herausfordernde Art unterhaltsam. Er liefert hier eine interessante Geschichte, die sprachlich ein Genuss ist und nachdenklich macht. Inwieweit kann ich mein Leben selbst bestimmen? Welchen Einfluss haben andere auf mein Leben? Es ist außerdem ein Paradebeispiel dafür, wie einfach ein gewisses Maß an Macht, sämtliche Werte außer Kraft setzen kann.







  

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