Mirror von Karl Olsberg

Anja Druckbuchstaben | 20 Oktober 2016 |


Erschienen am 15.08.2016 | 400 Seiten | 
12,99 € | Karl Olsberg | Aufbau Verlag



Dein Mirror kennt dich besser als du selbst. Er tut alles, um dich glücklich zu machen. Ob du willst oder nicht. Wie digitale Spiegelbilder wissen Mirrors stets, was ihre Besitzer wollen, fühlen, brauchen. Sie steuern subtil das Verhalten der Menschen und sorgen dafür, dass jeder sich wohlfühlt. Als die Journalistin Freya bemerkt, dass sich ihr Mirror merkwürdig verhält, beginnt sie sich zu fragen, welche Macht diese Geräte haben. Dann lernt sie den autistischen Andy kennen und entdeckt, dass sich die Mirrors immer mehr in das Leben ihrer Besitzer einmischen – auch gegen deren Willen. Als sie mit ihrem Wissen an die Öffentlichkeit geht, hat das unabsehbare Folgen (Quelle: Aufbau Verlag)


Der Einstieg in diesen Thriller fiel mir nicht ganz so leicht. Auf den ersten paar Seiten hab ich mich zunächst über die stellenweise harte und öbszöne Ausdrucksweise gewundert. Das betrifft allerdings hauptsächlich eine bestimmte Person und Perspektive im Buch. Wo wir auch gleich beim nächsten Punkt wären, der mich vor eine Herausforderung gestellt hat.
Es war nicht so einfach bei den vielen (also zu Beginn gefühlt vielen) Perspektivwechseln durchzusteigen. Es werden diverse Charaktere im Umgang mit ihren Mirrors vorgestellt.

Nachdem ich endlich hinter das Konzept der unterschiedlichen Perspektiven gestiegen bin (was gar nicht lange gedauert hat), war ich plötzlich total gefesselt von der Geschichte.
Die einzelnen Sichtweisen geben einen guten Rundum-Blick über die verschiedenen beteiligten Personengruppen. Eine wirklich gute und interessante Mischung:
Menschen, die Visionen haben und bestehende Technik immer weiter entwickeln, ihre Produkte aber zu wenig abgesichert auf den Markt bringen. Geldgeile Konzerne, die sich Fehler nicht eingestehen, weil sie Angst um Profit und Marktstellung haben. Anwender, die sich im Handumdrehen abhängig und sogar süchtig nach neuer Technik machen lassen.
Personen, die technische Innovationen für kriminelle Zwecke nutzen. Misstrauische Menschen, die Neues kritisch hinterfragen. Behörden, die erst dann aktiv werden, wenn das Kind schon im Brunnen liegt.
Von all den Perspektiven, fand ich die des autistischen Andy und der Journalistin Freya am spannendsten.

Zu der Zeit als ich Mirror las, kam im TV eine Reportage über das Silicon Valley. All die motivierten jungen Leute, die an neuen technischen Innovationen feilen und um die Gunst Millionen schwerer Investoren wetteifern. 
Mit der Geschichte von Mirror im Hintergrund, hatte diese Reportage einen sehr faden Beigeschmack für mich. Technik kann vielleicht in vielen Fällen ein Segen sein, aber wir dürfen nicht vergessen kritisch zu bleiben. Wir dürfen nicht alles schlucken, was uns angeboten wird. Back to the roots ist zwischenduch auch mal nicht schlecht.

Der Autor schafft mit seinen Mirrors ein erschreckendes Szenario, das absolut fesselnd und ehrlicherweise genau so vorstellbar ist. Verweise auf George Orwells 1984 und die Terminator-Filme sind absolut angemessen.
Das Ende setzt der Geschichte die Krone auf und beweist, dass gegen menschliche Dummheit kein Kraut gewachsen ist.


  
Dieser Tech-Thriller von Karl Olsberg ist top-aktuell und trotzdem wohl auf ewig zeitlos. Er ist nicht nur spannend und mitreißend, sondern regt auch zum Nachdenken an. Mein ganz persönliches Fazit: Manchmal wäre mir mehr gesunder Menschenverstand für alle doch etwas lieber also jede weitere technische Neuheit.
Wie oft hast du heute eigentlich schon auf dein Smartphone gestarrt? Wie viele persönliche Daten digital verteilt? Lies dieses Buch! 


(4 von 5 Punkten)





Vielen Dank für das Exemplar an den Aufbau Verlag


 

2 Kommentare:

  1. Vulgäre Sprache ist gar nicht meins. Auch nicht in Teilen des Buches...

    AntwortenLöschen
  2. Hi Anja,

    auf dieses Buch bin ich schon sehr gespannt und es steht bereits auf der WuLi, da mich diese Themen reizen zu lesen.

    Liebe Grüße,
    Uwe

    AntwortenLöschen

Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google. Mit dem Abschicken eines Kommentars stimmst du zu, dass du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen und akzeptiert hast.