Serverland von Josefine Rieks

Anja Druckbuchstaben | 18 Mai 2018 |
Erschienen am 19. Februar 2018 | 176 Seiten | 18,00 €
Josefine Rieks | Hanser


Klappentext

Das Internet ist seit Jahrzehnten abgeschaltet, die Statussymbole von früher sind nur noch Elektroschrott. Reiner, Mitte zwanzig, sammelt Laptops aus dieser lange vergangenen Zeit und wird zum Begründer einer Jugendbewegung, die verklärt, was es früher wohl einmal gab – die Freiheit einer Gesellschaft, die alles miteinander teilt. Mit Hilfe einer Autobatterie gelingt es, eine Verbindung zu lange stillgelegten Servern herzustellen. Die Jugendlichen sehen, was seit Jahrzehnten keiner mehr gesehen hat: das Internet. Mit einem sezierenden Blick auf unsere Gegenwart hat Josefine Rieks einen rasanten wie klugen Roman geschrieben. Ein Debüt, das man mit weit aufgerissenen Augen liest. (Quelle: Hanser)

Senf

Könnt ihr euch eine Zukunft ohne den alltäglichen digitalen Irrsinn vorstellen? Ich meine so ganz ohne alle fünf Minuten den Status und die Timeline auf Twitter, Tinder, Facebook und Co zu checken? Und wieso eigentlich? Tja weil es technisch nicht mehr möglich ist.
Der Einstieg in das Buch hat mir schonmal sehr gefallen. Ein klein wenig melancholisch schaut man aus der Zukunft durch die Augen des Protagonisten auf Meilensteine/ Herzstücke des digitalen Fortschritts zurück. So begegnet einem beispielsweise ein MacBook Air, ein Scirocco, Command and Conquer 1+2, jede Menge Youtube Videos und das abgeschaltete Internet.

Der Protagonist (Reiner, Mitte 20) ist nerdig und introvertiert. Er steht eher am Rand und schaut zu. Doch diese Videos und der Elektrokram sind seine Passion, die er wie einen Schatz hütet. Reiner steckt in seinem täglichen Trott fest. Er lebt von uns aus gesehen in der Zukunft. Naja, zumindest ist er dort physisch anwesend. Durch seine Interessen und Funde lebt er aber auch ein Stück weit in der Vergangenheit, was unserer Gegenwart entspricht. Es kam mir beim Lesen oft so vor, als sähe ich ihn nur durch einen vernebelten Schleier.

Weitere Personen und Grüppchen, die in der Geschichte auftauchen, kamen mir vor wie in Trance. Wie eine Art Hippie-Kommune, die Alkohol, Drogen und freie Liebe zelebriert. Keiner von ihnen scheint einen Plan zu haben und alles ist so unkonkret.

Die entdeckten Youtube-Videos sind der größte Schatz für sie. Je dümmer das Video, desto besser scheint es anzukommen. Naja zumindest dahingehend unterscheiden sie sich nicht von uns.
In unserer Zeit braucht es nur einen Klick und schon teilen wir ein Bild, ein Video oder eine virtuelle Emotion mit der halben Welt. Aber für Reiner und Co. ist das nicht mehr denkbar. Sie trauern dieser Zeit, die sie selbst nicht erlebt haben nach. Ich hatte das Gefühl, das ist alles, was sie tun. Trotz der vielen Seiten lang, die ich sie begleitet habe, habe ich nicht wirklich kapiert, um was es ihnen eigentlich geht. Was genau ist ihr Ziel? Haben sie überhaupt eins?

"Wenn die Server wieder in Betrieb genommen würden, dachte ich plötzlich, dann müsste weder ich noch irgendjemand anders jemals wieder allein sein." (S. 123)


Als Leserin habe ich mich oft gefragt wie es eigentlich dazu kam, dass das Internet abgeschaltet wurde. Doch hier liefert die Autorin keinerlei Hintergrundinformationen.
Die Aufregung, die ich noch zu Beginn des Buches verspürt hatte, habe ich unterwegs irgendwo verloren. Ich habe keine Ahnung, was mir die Autorin mit dem Buch sagen will. Zurück bleibt das Gefühl, den Sinn der Erzählung nicht verstanden zu haben.

Fazit

Euphorisch und aufgekratzt habe ich mich in dieses Buch gestürzt. Gerade zu Beginn liest es sich wie eine aufregende Schatzsuche. Im Verlauf der Geschichte zogen für mich immer mehr Nebelbänke auf und ich hatte das Gefühl in diesen gleichgültigen Trott der Personen mit einzufallen. Ich bin am Ende einfach nicht sicher, was mir die Autorin mit diesem Buch sagen möchte. Trotzdem würde ich niemandem davon abraten wollen, das Buch zu lesen. Es ist schwer zu erklären.


 (2 von 5 Punkten)




Vielen Dank für das Exemplar an Hanser


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